Was ist ein Buch?

Warum soll etwas aufgeschrieben werden? Wir sprechen ja im Alltag miteinander, wir lernen von unserer Umgebung, warum sollte man da noch zusätzlich zum realen Leben lesen?

Durch das Lesen kann man Gedanken erfahren, die anders sind als die eigenen. Dies hat man auch in den Begegnungen im Alltag, doch ein Buch könnte einem ganz fremde Gedanken und Werte vermitteln.

In einem Buch können Sachen vorkommen, die es in der Realität nicht gibt. Wobei man das mit Phantasie auch im Alltag kann. Man kann sich Geschichten ausdenken, man kann sich als eine andere Person darstellen oder irgend eine faszinierende Unwahrheit weiterverbreiten.

Früher, als der Buchdruck kostbar war, entstand implizit eine Qualitätsauslesung: was lohnt sich, es weiter aufzubewahren? Was lohnt sich zu vermitteln? Bücher hat aufgrund ihrer Rahrheit einen Wert.

Heute gibt es unendlich viele Bücher. Alles kann publiziert werden. Zur Publikation muss es kein Buch mehr sein: Blogs oder Artikel können der früheren Wissensvermittlung in Form von Büchern gleich sein.

Aber was war früher das Buch? Oder was ist mit den Büchern in Fahrenheid 451 gemeint? Explizit nicht die Klatschhefte und Familienromane, denn diese gibt es noch. Sondern Bücher mit Gehalt. Aber was ist das? Wann hat ein Buch ein Gehalt?

Vermutlich, wenn es zum Denken anregt. Ein Telefonbuch oder eine Bedienungsanleitung enthalten Informationen,  regen jedoch nicht zum Denken an. Es sind Anleitungen. 

Mich regen befremdliche Geschichten (aus Asien) an. Durch den Ekel an gewissen Handlungen erkennen ich meine Werte.

Befremdlich sind oft auch die Handlungen in Märchen. Da hilt der Austausch über das Unerhörte enorm, den Schock der Geschichte einordnen und verdauen zu können.

Ich finde auch Geschichtsbücher, Fachliteratur und Artikel oft gehaltvoll. Sie korrigieren falsche Vorstellungen, die ich mir aufbaute oder Rückschlüsse, die ich zog. Das finde ich gehaltvoll.

Muss es in der Form eines Buches sein? Nein. Es muss nur in einer anregenden Form sein. Und das kann Architektur, Musik, Tanz, ein Buch oder vieles mehr sein. Man sieht dadurch die Welt mal anders.

Sie brauchen mich nicht

Sie sind jung, mit Hochschulabschluss, welt- und technikgewandt. Eine Freude, die kommende*n Ingenieur*innen!

Voll Vertrauen in eine bessere Welt fordern sie neue Regeln und gehen spielend wie auch sehr konfrontativ mit Hindernissen um.

Intuitiv möchte ich ab und zu vor zu forschem Auftreten, selbstverständlichen Annahmen (z.B. dass alle für umweltfreundliche Massnahmen sind) warnen. Doch ehrlich gesagt, brauchen sie mich nicht.

Ich kann ihnen nicht viel bieten, ausser sie in ihrem Lernprozess zu unterstützen.

Walt Whiteman – Aus der Wiege endlos schaukelnd

Thomas Furrer: Und dichtete mir aus.

Ein Vogelmännchen schreit unter gelbem Mond nach seiner Liebe, dem Vogelweibchen, das nicht zurückkehrte.

Er singt und schreit, voll Trauer zu den Wellen und singt leise, damit er die Antwort seiner Geliebten auch hört.

Er sieht seine Geliebte am Wellenrand, doch es ist eine Täuschung.

Irgendwann hört er, dass das Rauschen der Wellen ihm tod sagen.

Ein langes, neue geschriebenes Gedicht. Berührend, erzählt von einem Jungen, der einmal in einer Nacht den verzweifelten Ruf eines Vogelmännchen hörte, und dieser Schmerz ihn zum Poeten erweckte.

Basis bildete das Gedicht „Aus der Wiege endlos schaukelnd“/“Out of the Cradle Endlessly Rocking„

https://www.poetryfoundation.org/poems/48858/out-of-the-cradle-endlessly-rocking

Gedankenfetzen

Sie wurden aufgehängt in mir. Sie wehen dahin und tauchen wieder auf. Obwohl ich das nicht will.

„Baltische Akkordgerüstbauer heuern Menschen in ihrer Heimat an. Sie wohnen in Autos und verdienen kurzfristig viel Geld. Sie wollen das. Sie sind mit den Subunternehmertum glücklich.“

„In Oerlikon werden riesige, ökologische Gebäude gebaut. Der Generalunternehmer gab das Projekt an eine Firma im Aussland ab, die den ganzen Bau mit Subunternehmern hinstellen.“

„Das Recyklinggeschäft ist ein schmutziges Geschäft.“

„Wir dürfen keine schwarzen Listen über schlechte Generalunternehmer führen.“

„Auf asiatischen Baustellen sah ich, wie ABB giftige Stoffe teuer und korrekt deklariert abtransportieren liess und sah die Behälter auf dem Rückweg auf einer offenen Deponie.“

Ja, was soll ich mit solchen Informationen anfangen?

Natürlich habe ich zu diesen Einzelfällen keine Daten. Weiss nicht, wie die Leute entschädigt werden. Ob die Firmen Bussen erhielten.

Was ich sah, waren Instandhaltungsarbeiten auf einem Dach ohne Sicherungen, in einer Badi, wo die Gäste den Arbeitenden zuschauen konnten. Irgendwann wurden Gstältli verteilt. Daraufhin hatte jeder Arbeiter ein Gestältli an, in der einen Hand einen Karabiner und mit der zweiten – freien – wurde gearbeitet. Ihr Arbeiten auf dem Dach wurde durch das Halten des Karabiners unsicherer.

Ich vermute, dass ein Gast auf das Absturzrisiko aufmerksam machte. Das finde ich gut. Denn die Angestellten schienen keine Ahnung von Absturzsicherung zu haben.

Leider entschied der Vorarbeiter, das Risiko nicht Ernst zu nehmen. Es kam zu einer hohlen Umsetzung.

Solche Bilder beschäftigen mich.

Ich will die Welt sehen, so wie sie ist. Auch mit ihrer hässlichen Seite.

Immerhin hat sich grundlegend etwas bei der Arbeitssicherheit getan. Das Bewusstsein über Unrecht ist am Wachsen. Bis es eine Mehrheit macht, wird es dauern. Die Jungen werden so ausgebildet. Die Strafen werden höher. Die Mühlen mahlen.

Ich bin froh, dass ich Leute kennen lerne, die ihre Baustelle nicht so führen. Dass ich Menschen kennen lernen durfte, denen Aufrichtigkeit und das sich Kümmern wichtig ist.