Ohne Ziel dahinleben
Der Text meandert. Verweilt an Stellen, beschreibt die Atmosphäre und fliesst weiter.
Der Radius ist begrenzt. Die Entwicklung der Personen ebenso. Eigentlich entwickeln sie sich nicht. Der Text zoomt erbarmungslos immer mehr hinein. Nichts Neues entsteht. Nur Vieles stirbt ab.
Stoisch Totalverdrängung
Es gibt keine Energie der Protagonist:innen. Keine Wut. Die Veränderungen werden stoisch hingenommen. Die Energie ist nur bei der lauten Polizei oder den lauten Glocken.
Kein Geschrei von Kindern, kein Leben. Nur immer mehr Kälte und Enge.
In diesem Kosmos versuchen die Protagonist:innen sich gut zu Recht zu finden. Ja nicht auffallen.
Eigentlich finde ich die sehr überlegten Handlungen der Protagonist:innen schlau. Mir fehlt dabei das Herausschälen des inneren Konfliktes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Personen innerlich nicht kochen.
Alternativen werden nicht erzählt
Wie geht die Geschichte der Frau von R im Norden? Was wurde aus der Familie Inui? Wie entwickelten sich die Menschen, die aufbegehrten (innerlich)? Warum scheint es nicht möglich zu sein, dass sie innerlich leben?
Unter den Soldaten muss es auch Zweifler und punktuelle Menschlichkeit und Rebellion geben. Warum kommen keine Alternativen vor?
Zweite grauenhafte Geschichte
Der zweite Erzählstrang – ihr Roman – ist noch grausamer. Die Protagonistin löst sich innerlich auf! Keinerlei Kommunikation zwischen Menschen entsteht. Die Beschreibung der Totalen Verlassenheit, die nicht innerlich verflucht, sondern hingenommen wird.
Totale Hoffnungslosigkeit
Ich habe vermutlich noch nie einen so alternativlose Geschichte gehört.
Für mich fehlt dem Roman die Komplexität. Die Geschichten bleiben zu lose und beliebig. Es scheint wie wenn der Grund der Erzählung nicht gefunden wurde.
Deshalb bleibt diese schön geschriebene und athmosphärisch unglaubliche Erzählung oberflächlich und letztendlich belanglos.