Idealismus

Ist es nicht schön, wenn man/frau die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgibt?

An gewissen Tagen fühle ich mich verlassen. Habe in den Kaffeepausen das Gefühl, dass die Mehrheit an den Niedergang der Schweiz glaubt und egoistische Machtpolitik (z. B. in Amerika) als schlau bezeichnet.

Ich verrannte mich gefühlsmässig schon tausendmal, im Versuch, demokratische Beteiligung und Kompromisse zu verteidigen.

Eigentlich immer selbst verschuldet, weil ich (teils ehrlich geschockt über historische Falschaussagen) immer an den kontraproduktiven Punkt gelange, sn dem ich belehrend, ja klar besserwisserisch werde. Eigentlich eine Haltung, die leichtfertig glaubte, nicht zu haben.

In solchen Diskussion wird mir vor die Augen geführt wie wenig ich mich persönlich mit gewissen Personenkreisen austausche. Es sich rächt, dass ich bewusst gewisse Stammtische meide, weil ich das Poltern als teuflisch betrachte. Ich denke über sehr viel irritierend Gehörten nach, mache Recherchen und Notizen, was ich dazu meine. Oft komme ich zu anderen Schlussfolgerungen und beurteile gewisse Sussagen als falsch bzw. nur in sehr engem Rahmen als korrekt. Aber ich gebe mich nur selten in die Diskussion. Einerseits aus zu grossem Respekt vor der Mehrheit am Tisch, die sich einig sind und gegenseitig mit neuen Einwänden unterstützten, sodass es schnell anstrengend und unpersönlich wird.

Ich ziehe mich also mit meinem Vertrauen auf anpackende und eine bessere Zukunft wollende Hoffnung in meinen Freundeskreis zurück und verabschiede mich von der Diskussion zu Gunsten von Taten im Alltag.

Was mir nun nach dem Lesen von Lewis Sinclairs „Das ist bei uns nicht möglich“ bewusst wurde ist, dass Idealist*innen dazu neigen, sich schlechte Entwicklungen zu übersehen und zu ignorieren. Er verweist auf die Kommunist*innen, die den Terror und die Unterdrückung Andersdenkenden ausblenden oder akzeptieren.

In meinem Fall wären das religiöse Ideale einer gemeinsamen und egalitären Welt, in der es keine Unterdrückten gibt. Als Kind der heutigen Zeit kenne ich nur die Demokratie als Gesellschaftsstruktur, die am ehsten der Einbezug aller verspricht. 

Aber ich darf nicht über Alles den Pluralismus und die Demokratie verteidigen, wenn real viele Menschen ausgenutzt und nicht einbezogen werden. Nach dem Lesen des Ende des Buchs wurde mir klar, dass ich auf einem Auge blind bin. Weil ich eine Hoffnung verteidigen will. Eine typische Falle für Idealist*innen.