Auf Grund Trumps Freude am Verdrehen der Wahrheit (die Ausländer sind schuld am wirtschaftlichen Niedergang) und seiner Liebe zu Aktivismus und Inszenierung (er erhält jeden Monat einen neuen erfundenen Friedenspreis) las ich Umberto Ecos Buch. Folgende Schlussfolgerungen zog ich:
Es gibt keine Kriterien, die mit Klarheit ein faschistisches Führungsmodell erkennen lassen, aber es gibt mehrere Indikatoren, die darauf hinweisen. Ähnlich wie bei der Autismus- oder Schizophreniediagnose, ist der Grad der Ausprägung je stärker, je mehr Indikatoren darauf hinweisen.
- Zelebration alter Traditionen (oft in wildem Mix aus unterschiedlichsten Epochen)
- Ablehnung der Moderne, konkret der Aufklärung, der differenzierten Wissenschaft und der Vernunft.
- Aktionismus um der Aktion Willen (grosse Gesten, Ablenkungsmanöver) Die Aktion kann ohne Logik zu anderen Auftritten sein, dient nur dem Moment und der Symbolik bzw. der Propaganda
- Jede*r Kritiker*in ist ein*e Verräter*in. Es darf keine Kritik geben. Kritik führt zum Ausschluss aus dem Machtzirkel
- Angst vor der Vielfallt: es darf nicht mehrere Optionen geben (unter denen man frei wählen könnte). Die Führung trimmt auf genau eine Umsetzung, und diese muss ohne Widerspruch durchgesetzt werden. Auch mit absurd viel Aufwand. Andere Wege sind per se ausgeschlossen.
- Die Adressat*innen ist die frustrierte Mittelklasse. Dies kann real z.B aufgrund des Umbaus der Wirtschaft, Naturkatastrophen oder geopolitischen Veränderungsprozessen sein, doch das Zentrum ist der Frust zu entfachen.
- Freude an Verschwörungstheorien mit dem Ziel, die Gesellschaft vor der Masse an Feinden im Innern und von aussen zu retten
- Diffuse Feindbilder: Es wird bewusst immer neu und komplett anders angegriffen. Die Antwort auf den alten Skandal interessieren nicht mehr. Bereits steht eine neue Behauptung im Raum. Das Feindbild wird emotional aufgebaut, indem man immer wieder über die Bedrohung spricht.
- Es herrscht permanent Krieg. Alle Aktion sind von einer unglaublichen Dringlichkeit. Das Ziel ist nicht Frieden. An so etwas wird kein Gedanke verloren. Pazifisten sind verachtenswürdig.
- Teilhabe an der Elite der Welt aufgrund der Geburt/der Ethnie. Die Regierung und Bevölkerung ist die beste, und exklusiv mit Fähigkeiten ausgefüllt, welche die anderen nicht haben
- Heroisches Handeln wird überall propagiert und geschult. Für das Ideal soll man sterben wollen
- Machismus: Es gilt die Vorherrschaft des Mannes. Keusches oder heterosexuelles Leben ist verachtungswert. Körperliche Stärke, ergänzt mit Waffen oder schweren Maschienen sind das Ideal.
- Feindbild Demokratie: Sie ist zu kompliziert, zu ineffizient, sie bildet das Volk zu wenig ab. Lieber das Volk in Massenveranstalltungen laut zurufen lassen und so seine Stimme hören. Der Wille des Volks wird zu einer Inszenierung. Keine öffentlichen Debatten, was das Volk wollen könnte finden statt.
- Vereinfachte Sprache ist symptomatisch. Es wird nicht differenziert und komplexe Themen werden auf wenige Punkte reduziert